Frühjahrsfahrt nach Hirschhorn-Langenthal

An Fronleichnam den 26.5.2005 starteten wir, zur nun schon 6. Viertages-Fahrt, nach Hirschhorn am Neckar. Nach zweimal Schifferstadt, Miltenberg, Eiterfeld/Rhön und Thalfang/Hunsrück war der südliche Odenwald diesmal unser Ziel. Zehn mehr oder weniger trainierte Rennradfahrer nahmen bei sommerlichen Temperaturen die Fahrt in Angriff. Das Reisegepäck fand wieder mal Platz im Wohnmobil von Wolfgang Kopp, das von seiner Freundin Ulla Byrd gefahren wurde.

Abfahrt an der Taubenberghalle in Idstein war für 8.00 Uhr geplant, aber bis alle bereit dazu waren, schlug die Uhr bereits "Viertel-nach". Die Strecke ging über Niedernhausen, Lorsbachtal, Hofheim (hier stieß Tourenwart Richard zu uns) und Kriftel (vorbei am RTF-Sponsor "Sto") zum Mainübergang in Sindlingen. Hier kam mit Roland Jung ein "Nicht-Vereinsmitglied" hinzu, der aber mit uns bereits einige schöne Raderlebnisse verbracht hat. In flotter Fahrt – vorbei am Frankfurter Waldstadion – erreichten wir nach ca. 70 km durch die Mainebene dann Dieburg. Hier hatte Peter Hüttl, unser 2. Tourenfachwart, bei einem Arbeitskollegen eine Verpflegungspause organisiert.

Nach dieser Stärkung fiel der einzige längere Anstieg – zur Wegscheide bei Brensbach – nur noch halb so schwer. Im Luftkurort Grasellenbach konnten wir im Waldcafé die prämierten Erzeugnisse genießen – ein Ort, wo man sich richtig wohl fühlen konnte. Eine lange Bergabfahrt Richtung Neckar ließ uns recht früh im Gasthaus "Krone" in Hirschhorn-Langenthal eintreffen.

Am Freitag fuhren wir - bei noch angenehmen Temperaturen - erst mal 5 km leicht bergab zur Kernstadt von Hirschhorn. Nach 10 km Bundesstraße bis Eberbach folgte ein langer Anstieg geschlossenes Waldgebiet bis Amorbach. Von hier wären es noch 10 km breite, flache Straße nach Miltenberg, aber was machten wir (?), wir fanden 20 km steile, ruppige Anstiege und Wege durch das Hinterland in das romantische, aber überlaufene Miltenberg. Jetzt grüßte hoch oben das bekannte Kloster Engelberg mit seinem dunklen, selbstgebrauten Bier; nach kurzer Diskussion entschieden wir uns aber, bei diesen zu hohen Temperaturen auf die Bieratmosphäre im Kloster zu verzichten. Wir fanden wieder ein – von vergangenen Touren her bekanntes - Café in Trennfurt, in dem immer noch die gleiche Bedienung mit recht flotten Sprüchen agierte. Wie wichtig unser Kloster-Verzicht war, zeigte sich auf dem nächsten - 10 km langen - Anstieg nach Vielbrunn, der von der stechenden Sonne beschienen wurde. Am Tierpark Eulbach vorbei, nach langer Fahrt durch waldreiches Gebiet, gingen die gewonnenen Höhenmeter bis Eberbach wieder verloren. Nach Reifendefekt von Wolfgang hatte der wartende Rest der Truppe – Frank und die beiden Michaels waren bereits vorausgefahren – keine Chance mehr, diese drei einzuholen. Die saßen bereits auf der Terrasse im Garten unserer Unterkunft, wo bei (einem ?) Weizenbier der Tag noch mal aufgearbeitet wurde.

Der Samstag wurde der härteste Tag. Nach kurzem Einrollen stellte ein 10%-igen Anstieg von 5 km Länge doch einige vor größere Probleme. Die nächsten 20 km auf einem Plateau – mit vielen welligen Abschnitten – in verkehrsarmem, wald- und wiesenreichem Gelände versöhnten für die Strapazen. Bad Rappenau und Bad Wimpfen mit den kleinen mittelalterlichen Gassen wären gut geeignet gewesen für einen längeren Aufenthalt, aber die – von Andreas Hahn - in Möckmühl vorbereitete Pause trieb und durch die Mittagshitze ins Jagsttal. Hier erlaubten wir es uns einmal, den am Flüsschen entlang führenden Radweg zu benutzen. Wir  kamen zwar nicht recht voran, dafür war es aber romantischer als auf der Straße. Zur Pause in Möckmühl bei Verwandten von Andreas war ein kurzer, sehr steiler Kopfsteinpflasterweg zu meistern, bei dem einige vom Rad steigen mussten. Gut gestärkt hieß es anschließend wieder: "Klettern !" Erst einmal in glühender Sonne, dann in Adelsheim wieder im Wald. Ein Minigolf-Platz mit kalten Getränken zog uns magisch an, so dass es nur ein Katzensprung bis zum höchsten Punkt der Tour – dem Katzenbuckel – war. Die sich hier anschließende Abfahrt nach Eberbach war die Belohnung für die Kräfte zehrenden 150 km dieses Tages. Am Neckar angekommen, meinte man in einem Backofen zu fahren, da war es auf den Höhen wesentlichangenehmer gewesen. Am Abend mieteten wir uns ein Taxi mit einem total verrückten Fahrer und fuhren zum Backfischfest nach Neckarsteinach. Hier erwartete uns ein Festzelt mit fränkischer Stimmungskapelle, die 4-Burgen-Beleuchtung (ein Feuerwerk über 4 umliegenden Burgen) und eine kleine "Festmeile".

Am Sonntag stand wieder die Heimfahrt an. Zunächst – wie schon gewohnt – ein längerer Anstieg, Gott sei Dank aber im Wald. Anschließend die Abfahrt zur Bergstraße und auf Radwegen und Nebenstraßen Richtung Darmstadt. Da es immer heißer wurde, wurde einige Tankstellen zum "Getränke auffüllen" angefahren. Egelsbach, wo Mars-Rot-Weiß Frankfurt eine RTF ausrichtete, war als größere Pause geplant. Die Zeit lief uns langsam davon, so dass wir uns entschlossen, nicht um Darmstadt herum, sondern durch die Innenstadt zu fahren. Ein Horror ! Eine rote Ampel nach der anderen erschwerte uns das zügige Vorwärtskommen und wir waren froh, als wir endlich den Flugplatz erreicht hatten. Hier gab es neben RTF-Punkten auch noch Bratwurst, Kuchen und die Möglichkeit, den großen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bis Idstein war es nun noch ein langer Weg und die Nerven einiger waren – nicht nur durch die ungewöhnlichen Temperaturen – ziemlich angekratzt.

 

Fazit: In 4 Tagen 600 km zurückgelegt, auf teilweise recht langen und steilen Anstiegen. Die Tradition, in der Nähe liegende Landschaften besser kennen zu lernen, war wieder mal erreicht worden.

Auf ein Neues im Jahr 2006 !

 

Die diesjährigen Teilnehmer waren Frank Ott, Michael Makel, Andreas Hahn, Jürgen Grußbach, Michael Kuhn, Peter Hüttl, Roland Jung, Richard Reiter, Armin Geißler, Wolfgang Kopp und Ulla Byrd, die uns als Fahrerin im Wohnmobil begleitete.

 

Richard Reiter im Juni 2005